Lobau: Fluglärmpause

Aktualisiert: 31. Mai 2021

Die Maßnahmen zur Eindämmung der SARS-COV-2-Epidemie haben den Flugverkehr drastisch verringert, auch die Starts und Landungen am Flughafen in Wien-Schwechat. Damit verbunden: eine erholsame Lärmreduktion für die Tierwelt und die BesucherInnen der Lobau – zumindest vorübergehend.

Die Nachbarschaft zum Flughafen Schwechat auf der anderen Donauseite ist eines der ungelösten Probleme des Nationalparks Donau-Auen. Hauptbetroffen ist die Untere Lobau, insbesondere der Bereich in Höhe der Gänshaufentraverse, eines beliebten Aussichtspunkts am Kühwörther Wasser (an der Grenze zwischen Wien und Niederösterreich). An Wochenenden im Sommer kann hier etwa alle 2-3 Minuten ein Metallvogel in geringer Höhe vorbeikommen (siehe Nationalpark Donau-Auen / Piste 2).

Seit dem drastischen Rückgang des Flugverkehrs war ich zweimal in der Unteren Lobau, zuletzt am Samstag, dem 11. April. Interessant dabei: In der Regel ärgere ich mich jedes Mal über die Flugzeuge, die da im Start- oder Landeanflug in ein paar hundert Meter Höhe über die Aulandschaft brausen. Dieses Mal wurde mir erst im Nachhinein klar: Mir ist gar kein Flugzeug aufgefallen. Habe ich sie vielleicht einfach übersehen oder überhört?

Das lässt sich überprüfen, dachte ich mir: anhand der Grafiken zu den Flugbewegungen von flugspuren.at. Hier zuerst, als Beispiel für den „Normalzustand“, Screenshots für den 10. März 2020, großräumig und dann etwas eingezoomt.

Situation am 10. März 2020

Ordentlich was los, wie man sieht. Am folgenden Ausschnitt sieht man auch, dass sich die Starts weit negativer auswirken dürften als die Landungen – bei den Starts (grün) sind in der Regel größere Bereiche des Schutzgebiets betroffen, während sich Landungen (violett) zumeist auf eine schmale Einflugschneise beschränken.

Zum Vergleich: Situation am 11. April 2020

Der Unterschied zwischen 10. März und 11. April ist eklatant. Und vor allem: Sofern die Daten von flugspuren.at korrekt sind, ist auch klar, warum mir am 11. April kein Flugzeug aufgefallen ist – es gab keine Linien- oder Charterflüge an diesem Tag über der Lobau, nicht nur während ich mich dort aufhielt, sondern keinen einzigen, von 0 bis 24 Uhr. Sensationell!

Ich habe mir auch die Tage nach dem 11. April angesehen – die Frequenz schwankte zwischen wenigen Überflügen der Lobau pro Tag bis zu 25 Flugbewegungen; Letzeres entspricht etwa einem Drittel des bisherigen Normalwerts. Und auch der 17. April war für die Lobau offenbar wieder flugzeugfrei!

Sicher: Dieser aus Naturschutzsicht wunderbare Zustand wird nicht dauerhaft sein. Aber es spricht doch einiges dafür, dass es vielleicht Jahre dauern könnte, bis sich die Flugbranche einigermaßen erholt. Und auch der Bau einer dritten Piste in Schwechat bleibt uns wohl bis auf Weiteres erspart – vielleicht auch überhaupt.

Mit öffentlich verfügbaren Zahlen lässt sich der Rückgang des Flugverkehrs über der Lobau derzeit übrigens noch nicht belegen – die letzten Informationen des Flughafens reichen erst bis Ende März. Überraschenderweise war die Zahl der relevanten Flugbewegungen (Starts Piste 34, Landungen Piste 16) von Jänner bis März 2020 (10.079) sogar höher als 2019 (9.731), und zwar durch einen im saisonalen Vergleich stark erhöhten Anteil der Piste-16-Landungen an den gesamten Landungen (35,7% vs. ca. 20%). Die Zahl der Piste-34-Starts ging im Jahresvergleich dagegen stark zurück – von 3.944 auf nur mehr 1.405. (Siehe Linien- und Charterzahlen.)

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