Nationalpark Donau-Auen / Piste 2

Aktualisiert: 26. Mai 2019
Auch wenn die geplante Piste 3 am Flughafen Schwechat für Aufregung sorgt: Für den Nationalpark Donau-Auen ist die Piste 2 das größere Problem. Allerdings ein unlösbares.

Warum die Piste 2? Wegen der mit dieser Piste verbundenen Flugbewegungen. Sie verlaufen nordseitig über den Nationalpark Donau-Auen, oft in unmittelbarer Nähe der Gänsehaufentraverse, eines beliebten Aussichtspunkts am Kühwörther Wasser (an der Grenze zwischen Wien und Niederösterreich). Am schlimmsten ist es an Wochenenden; da kann etwa alle 2-3 Minuten ein Metallvogel in geringer Höhe vorbeikommen.

Die geplante Piste 3 dagegen soll parallel zur bestehenden Piste 1 verlaufen, siehe Karte. Laut Planung sollte dadurch die Lärmbelastung durch An- und Abflüge von der Piste 2 um zwischen 0 und 5 dB sinken, d.h. die Häufigkeit der Flugbewegungen quer über die Donau-Auen könnte etwas abnehmen, es sei denn, dahinter verstecken sich angenommene Lärmverringerungen durch den Einsatz neuerer Maschinen. Das wäre aus meiner Sicht jedenfalls das Beste an der Piste 3.

Fluglärm Piste 2

Der 8. Juli 2018, ein Sonntag, war ein Tag, an dem wegen der vorherrschenden südlichen Windrichtung fast alles über die Piste 2 lief, wie der Screenshot der Grafik von flugspuren.at zeigt: Die Gänsehaufentraverse, markiert durch einen roten Punkt mitten zwischen den blauen Linien, war im Zentrum des Geschehens; die Flughöhe beträgt hier generell wegen der Nähe des Flughafens maximal 500 Meter.

Da ich mich öfters in der Gegend aufhalte, hatte ich auch bereits Gelegenheit, die Flugzeuge beim Landeanflug zu filmen. Vier Stück sind’s im nachstehenden Video (von unterschiedlichen Tagen), drei davon direkt von der Gänsehaufentraverse aufgenommen.

Smartphone-Version

Kaum Tonaufnahmen möglich
Bei der oben angegebenen Frequenz und unter Rücksicht auf die Entfernung, bis zu der die Turbinen/Motoren hörbar sind, gibt es an solchen Tagen praktisch keine Zeitfenster mehr, die Aufnahmen ohne Fluglärm ermöglichen. Für mich persönlich gehört die Geräuschkulisse eines halbwegs naturbelassenen Auwalds in der warmen Jahreszeit jedoch zu den Naturerlebnissen, die ich besonders schätze. Das ist in diesem Bereich der Donau-Auen aber nur möglich, wenn der Wind nicht aus südlichen Richtungen kommt. Südliche Winde sind aber meiner Erfahrung nach in der wärmeren Jahreszeit eher die Regel.

Vogelschutz & Forschung
Mit der Nationalpark-Eigenschaft des Gebiets verträgt sich das eigentlich überhaupt nicht. Dass am Standort des Flughafens bei Schwechat nicht zu rütteln ist, war natürlich bereits bei den ersten Schutzmaßnahmen (1978, Lobau) – da war die Piste 2 eben fertig – und bei der Erklärung zum Nationalpark (1996) allen Beteiligten klar. Es handelt sich um einen der nötigen Kompromisse, um den Nationalpark zu ermöglichen.

Wie sich diese Einflugschneisen etwa auf die Vogelwelt auswirken, ist offenbar wenig erforscht. Auf den Seiten des Nationalparks ist lediglich eine einzige, zweiteilige Studie veröffentlicht, die immerhin schon zehn Jahre alt ist (2018): Eine Literaturstudie (in Deutsch, Februar 2008): Auswirkungen von Flugzeug-Einflugschneisen auf die Vogelwelt unter besonderer Berücksichtigung von Großvögeln und Arten aus dem Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie., und der zweite Teil von Juni 2008, in Englisch mit deutscher Zusammenfassung (Freilandbeobachtungen).

In der letzteren Studie heißt es gleich zu Beginn: “Our results highlight the growing conflict between nature conservation and increasing amount of air traffic.”

Das betroffene Gebiet wird als ein 400 bis 800 Meter breiter Streifen zu beiden Seiten der Zentrallinie der Überflüge definiert; nimmt man eine mittlere Breite von 600 Meter, ergibt das 480 Hektar oder immerhin fünf Prozent der Gesamtfläche des Nationalparks (nicht 0,5%, wie es fälschlich in der Studie heißt).

2008-2017: Flugbewegungen stagnieren
Etwas beruhigend könnte sein, dass die Zahl der jährlichen Flugbewegungen in Schwechat seit 2007/2008 tatsächlich abgenommen hat: 2008 repräsentierte das Maximum mit 266.402 Bewegungen, 2017 waren es 224.568, trotz einer Erhöhung der Passagierzahlen von rund 19,7 Mio. auf rund 24,4 Mio.

Es kommt aber darauf an, wie sich die Flugbewegungen auf die beiden Pisten verteilen. Der Flughafen Wien stellt auch dazu Zahlen zur Verfügung (Download: Linien- und Charterzahlen, in diesem Dokument ab 2010 bis 2017 sowie aktuelle Zahlen für 2018 (die pdf-Datei wird regelmäßig aktualisiert).

Für den Nationalpark wesentlich sind die Flugbewegungen nördlich der Piste 2, das sind die “Landungen Piste 16” und “Starts Piste 34”. Die Zahl der Landungen Piste 16 verringerte sich von 2010 bis 2017 von 31.715 auf 28.363, bei stagnierendem Anteil (25,8% vs. 25,3%). Die Zahl der Starts Piste 34 stieg allerdings von 13.880 auf 17.347 (11,3% vs. 15,4%). Insgesamt ergibt sich daher in diesem Zeitraum eine geringfügige Zunahme von 45.595 (37,1%) auf 45.710 (40,7%).

Aufwärtstrend 2018
Aufwärtstrend 2018
Nach den letzten Zahlen des Flughafens Wien für 2018 (per 7. 2. 2019) war auch im Vorjahr ein geringfügiger Anstieg zu verzeichnen. Die Zahl der Piste-2-Flugbewegungen erhöhte sich auf 46.106 (Anteil:38,2%), mit 30.866 Landungen Piste 16 (Höchstwert November, 3.855 oder 38,1%) und 15.240 Starts Piste 34 (12,6%). Im Oktober ergab das bei tagsüber gleichmäßiger Verteilung eine Flugbewegung alle 10,3 Minuten, da nachts (23:30 bis 5:30) aber kaum Flüge stattfinden, zumindest alle 7,28 Minuten.

Nationalpark: Keine weiteren Studien vorgesehen
Wie sich die Piste 2 tatsächlich auf den Nationalpark auswirkt, dürfte bis auf Weiteres unerforscht bleiben. Bereits die beiden erwähnten Studien von 2008 wurden im Zusammenhang mit der Piste 3 in Auftrag gegeben, und zwar “um die vogelkundlichen Aspekte auf fundierter Grundlage in das Bewilligungsverfahren der neuen Landepiste („Dritte Piste“) einbringen zu können”, wie mir Dr. Christian Baumgartner, Bereichsleiter Natur & Wissenschaft der Nationalpark Donau-Auen GmbH Ende August 2018 mitteilte. Weitere Studien gebe es von Seiten des Nationalparks nicht und seien auch nicht vorgesehen. Es sei auch auf den “erwartbaren Nutzen” zu achten, wie Dr. Baumgartner festhielt.

Das ist nur folgerichtig. Was nicht zu ändern ist, ist zu akzeptieren. Man kann noch so viel Staub aufwirbeln, die Piste 2 wird deshalb nicht verschwinden. Ich werde mich auch in Zukunft über den Fluglärm in der unteren Lobau ärgern müssen, mich aber dennoch freuen, dass es den Nationalpark gibt. Ärgern dürften sich auch die Menschen, die in den betroffenen Gebieten wohnen. Ob sie dem Nationalpark ebenso positiv gegenüberstehen wie ich, ist dagegen gar nicht so sicher. Damit befasse ich mich vielleicht in einem zukünftigen Beitrag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.